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Keine Antwort bis zum heutigen Tag: Wolfgang Stoiber, der NuKLA e.V. und der aktuelle Stand der Auwald-Petition

(29.05.2013) Eine Petition zum Schutz des Auewaldes hat im Jahr 2012 in der Messestadt für einigen Wirbel gesorgt. Drahtzieher dieses Vorstoßes war der Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald e.V. - kurz NuKLA. Dessen Vorsitzender ist Wolfgang Stoiber. Von ihm wollten wir wissen, warum es von der Petition derzeit so wenig zu hören gibt, warum sie überhaupt nötig war und was aus der Auwald-Unesco-Idee geworden ist, hinter der sein Verein ebenfalls steckt.
Auwald nicht als Drehkreuz für motorisierten Wassersport: Wolfgang Stoiber. Foto: Bernd Reiher

Wolfgang, Du und der NuKLA e.V., Ihr habt im Herbst ein westsächsisches Husarenstück abgeliefert: Petition zum Schutz des Auewaldes. Wie erklärst Du denen, die davon noch nichts wissen, in fünf Sätzen, worum es dabei ging?
Stoiber: Eine durchgängige Schiffbarkeit von den Seen im Süden Leipzigs zum geplanten Stadthafen in Leipzig durch den Auwald mit einer Schiffbarkeitserklärung herzustellen - nachzulesen im Wassertouristischen Nutzungskonzept. Motorboote auf den Fließgewässern im Auwald zu genehmigen - das darf nicht passieren. Das hätte zur Folge, dass die Gewässer nicht mehr dem Allgemeingebrauch unterliegen, sondern die Schifffahrt Vorfahrt hat. Entsprechend müssten die Gewässer von naturnahem Gehölz beräumt und die Ufer gegen Wellenschlag verändert werden.

Diese Petition ist mit rund 11.000 Unterschriften über die Ziellinie gegangen, die Unterlagen sind dann dem Petitionsausschuss übergeben worden - seitdem war von diesem Vorgang aber nur wenig zu hören. Was ist in den letzten Monaten geschehen? Wie ist der aktuelle Stand?
Stoiber: Die Petitionsunterlagen wurden am 29. November 2012 an den Petitionsausschuss übergeben. Es wurde dem NuKLA mündlich zugesichert, dass es in diesem Frühjahr eine Vorort-Begehung des Petitionsausschuss geben wird. An dieser sollten unsere Freunde, welche die Petition mitgetragen haben, teilnehmen. Mitte April hat NuKLA nachgefragt. Es wurde NuKLA erneut versichert, dass es Ende April eine Terminzusage mit festem Datum geben wird. Diesen Termin sollte NuKLA Anfang Mai erhalten. Nachdem bis Mitte Mai uns diesbezüglich keine Information zuging, hat der Verein versucht nachzufragen. Bis zum heutigen Tag erhielten wir keine Antwort.

Wie ist das zu erklären?
Stoiber: Scheinbar ist es auch dem Petitionsausschuss nicht wichtig, dass 11.231 Unterschriften gegen kraftstoffbetriebene Motorboote und gegen die Schiffbarkeit der Auwaldgewässer und des Cospudener Sees gesammelt worden sind.

Der NuKLA e.V. hat Anfang des Jahres mit einer weiteren Idee für Aufsehen gesorgt: Unesco-Titel für den Auwald. Hierzu gab es im März eine Infoveranstaltung. Wie hat sich dieses Anliegen aus Deiner Sicht seitdem entwickelt?
Stoiber: Das Projekt „Aula 2030 - Das grüne Band entlang der Weißen Elster“. Hier haben wir seitdem einige Vereine als Unterstützer und Mitglieder gewinnen können. Aktuell ist der Landesverband der Sächsischen Kanuten Mitglied bei „Aula“ geworden. Momentan befindet sich ein Flyer im Druck, welcher in der kommenden Woche gleich auf drei Leipziger Veranstaltungen eingesetzt wird. Bereits am Donnerstag sind die Naturfreunde Leipzig mit einem Infostand auf dem Marktplatz vertreten. Am Samstag wird NuKLA in Leipzig an der Bildungsmesse teilnehmen und am Sonntag sind wir mit einem Infostand beim Connewitzer Straßenfest mit dabei.

Mitte Mai gab es in Markkleeberg eine Diskussionsrunde zum Thema "Wie weiter mit Neuseenland?". Anlass waren die gekürzten Fördermittel für die Tagebausanierung und was das für die Kommunen bedeutet. Du hast die Veranstaltung besucht – worum ging es genau?
Stoiber: Welche Erkenntnisse der Abend gebracht hat? Er hat mir erneut aufgezeigt, dass es wichtig ist ganz besonders auf unseren Auwald aufzupassen, damit dieser nicht als Drehkreuz für motorisierte Wassersportler von Akteuren des Landkreises vernutzt wird.

Motorboote, Floßgraben, Auwald, Elster-Saale-Kanal, Wassergesetz - Neuseenland hat viele Brennpunkte. Welche Frage habe ich vergessen? Worüber müsste noch gesprochen werden?
Stoiber: Ich denke, dass die angefassten Themen ausreichend sind, denn mehr können wir nicht schaffen. Es ist bereits jetzt sehr oft sehr grenzwertig.
www.klassischekartoffelkonzerte.de
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Einzigartigkeit der wassertouristischen Erschließung: Peter Kühn und der Gewässerblog leipzig-am-wasser.de
(18.10.2011) Die Seite leipzig-am-wasser.de ist thematisch in ähnlichem Fahrwasser wie radioneuseenland.de unterwegs. Peter Kühn ist der Betreiber des Netzunterfangens. Wir haben uns mit ihm in Verbindung gesetzt, um zu erfahren, warum er sich dem Thema verschrieben hat und wie er die Entwicklung der neuen Gewässerregion einschätzt.
Leipziger Blogger auf den Spuren der Wasserstadt: Peter Kühn. Foto: Kühn

Herr Kühn, was ist leipzig-am-wasser.de? Wie beschreiben Sie das Netzprojekt, wenn jemand fragt, was das für ein Unterfangen ist?

P.K.: Der Ursprung der Webseite war eine Bildersammlung, eine reine Galerie. Die Idee entsprang aus der Euphorie des Umzugs in meine ehemalige Studienstadt Leipzig, zu der ich mich schon immer hingezogen fühle. Ich wollte alles sehen und natürlich festhalten, was es da zu sehen gab.

Als Bewohner der ehemaligen Buntgarnwerke nahm ich die rasante Entwicklung Leipzigs zur Wasserstadt natürlich am intensivsten wahr und konzentrierte mich auf diese (damalige) Nische der Stadtentwicklung.

Wer sind die Betreiber? Wer sind die Autoren? Wer ist Peter Kühn? Seit wann betreiben Sie den Blog?

P.K.: Beruflich habe ich nichts mit Wasser zu tun, da bin ich „selbstständig unterwegs“ und vertreibe Verpackungsmaterial, hauptsächlich Pappkartons. Die Webseite ist ein rein privates Hobby. Seit meinem Umzug nach Leipzig im Mai 2008 fotografiere ich im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten alles, was sich am und auf den Leipziger Gewässern bewegt.

Es scheint auch bei Ihnen viel Arbeit drin zu stecken - warum machen Sie das eigentlich?

P.K.: Hätte man mich noch im Sommer 2007 mit dem Begriff "Wasserstadt Leipzig" konfrontiert, hätte ich verwundert abgewinkt. Ich hatte diese Seite der Stadt bis dahin überhaupt nicht wahrgenommen. Ein Treffen ehemaliger Handelshochschüler im September 2007 änderte dies grundsätzlich. Die Eindrücke einer Motorbootfahrt durch die Stadtgewässer ließen mich danach nicht mehr los und endeten im Mai 2008 mit meinem Umzug an die Weiße Elster nach Plagwitz.

In Leipzig spielte die "Wasserstadt" zu dieser Zeit in der Öffentlichkeit, auf die ich traf, keine große Rolle. Vielleicht auch deshalb mein Verlangen, soviel wie möglich davon ins Internet zu bringen. Der nächste Schnitt war der Architektursommer 2010 in Sachsen unter dem Motto "Architektur am Wasser". Das gab einen großen Schub. Endlich machten sich die Akteure der "Wasserstadt Leipzig" mal die Mühe, alle Veranstaltungen "rund ums Wasser" zu bündeln und in zeitlicher Reihenfolge unters Volk zu bringen. Leider gibt es diesen "Wasserkalender" seit dem Ende des Architektursommers nicht mehr.

Jeder macht sein Ding - die Stadt Leipzig, der "Grüne Ring", der Verein "Wasserstadt Leipzig", die Sportvereine, die Kulturstiftung, das Neuseenland, die anliegenden Kommunen usw. Wer mit Google gut umgehen kann, kann sich seinen "Wasserkalender" zusammengoogeln, sicher nicht Sinn der Sache …

Sie beobachten das Werden der Wasserstadt und des Neuseenlands seit geraumer Zeit - was sind Ihrer Meinung nach die bedeutendsten Entwicklungen in den letzten Jahren?

P.K.: Die Entwicklung sieht man eigentlich tagtäglich auf dem Wasser. Der Verkehr auf dem Wasser ist nicht nur quantitativ gewachsen. Er hat auch eine ganz andere Qualität erreicht. Er wurde sozusagen „in die Hand genommen“, es gibt eine Beschilderung, es gibt Kurse. Neben Tourismus und Gastronomie hat die Kultur die Gewässer erreicht und die Gewässer ziehen viel mehr Menschen an als noch vor wenigen Jahren.

Die Außenwahrnehmung der Stadt Leipzig als Wasserstadt ist eine ganz andere. Kaum eine der führenden Zeitungen in Deutschland hat in diesem Jahr noch nicht über die Einzigartigkeit der wassertouristischen Erschließung unserer Stadt berichtet.

Der Wandel hat nicht nur für Jubel gesorgt, sondern auch einigen Unmut erregt - was sind die derzeit dringendsten Probleme aus Ihrer Sicht?

P.K.: Für mich spielt der Weg nach Hamburg keine große Rolle. Mit einer Anbindung des Lindenauer Hafens an den Gewässerverbund wäre ich eigentlich zufrieden. Ich würde andere Prioritäten setzen. Das wäre für mich die wassertouristische Erreichbarkeit der Seen im Leipziger Südraum, aber da sind wir ja schon auf einem guten Weg.

Eine große Problematik sind für mich das Elsterbecken, aber auch andere jetzt schon befahrbare Gewässer, wie der Elstermühlgraben in Richtung Stadthafen, der keinen guten Eindruck hinterlässt. Dann natürlich die weitere Öffnung der Mühlgräben im unmittelbaren Stadtgebiet. Wenn ich zwischen Lampe- und Simsonstraße im Musikviertel stehe und mir das Ganze mit dem Elstermühlgraben vorstelle, dann liegt mir dies näher als eine Paddeltour nach Hamburg.

Sie haben auch eine Umfrage zur Sache mit den Motorbooten im Floßgraben gestartet - was können Sie zu den Zwischenergebnissen sagen?

P.K.: Die Umfrage spiegelt das wieder, was auch mich bewegt. Mein Verstand sagt Muskelkraft. Wenn ich keine Mutter über 80 hätte, würde ich jedes Motorboot im Floßgraben verfluchen, egal wie man es baut. Aber unsere Bevölkerung besteht nicht nur aus Paddlern, wir sollten dies berücksichtigen.

Wie soll es mit leipzig-am-wasser.de weitergehen? Welche Pläne haben Sie für die Zukunft des Netzprojektes?

P.K.: Ich wünsche mir eine Plattform rund um Leipzig als Wasserstadt. Ob diese "leipzig-am-wasser.de" ist oder eine andere Seite ist mir relativ egal. Die Erfahrungen des Architektursommers 2010 haben gezeigt, dass wir diese Informationsquelle brauchen. Auf jeden Fall brauche ich Mitstreiter, wenn sich "leipzig-am-wasser.de" weiter in diese Richtung entwickeln soll.

Was wünscht sich der Beobachter Peter Kühn für die weitere Entwicklung der Wasserstadt Leipzig und des Leipziger Neuseenlandes?

P.K.: Ich denke, dass alle Akteure rund um die weitere Entwicklung der Wasserstadt Leipzig gut aufgestellt sind und ihren Zielen mit Zielstrebigkeit und großem Engagement nachgehen. Da mache ich mir keine Sorgen. Die nötige Akzeptanz der Bevölkerung ist vorhanden, dazu kommt ein gewisser Stolz auf das Erreichte. Die Frequenz der Ausflugsboote auf der Stadtelster und ihre Auslastung zeigen doch auch, dass immer mehr Leipziger ihren Besuchern neben dem Zoo und dem Völkerschlagdenkmal auch ihr Kleinvenedig vorstellen.

An manchem sonnigen Wochenendtag frage ich mich aber auch, wie viel Boot beispielsweise Stadtelster und Karl-Heine-Kanal vertragen. Das Ganze führt jetzt schon zu Konflikten zwischen Touristen, Anwohnern, Naturschützern, Sportlern und Anglern. Da ist es wichtig, ein gutes Maß bei der weiteren Entwicklung vor allem in quantitativem Sinne zu finden und bei Genehmigungen und Sondergenehmigungen auch mal Nein zu sagen.

Gewässerblog im Netz: www.leipzig-am-wasser.de

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"Wertvoll für die gesamte Region": Oliver Fritzsche und zehn Jahre Cospudener See

(23.04.2010) Zehn Jahre Cospudener See, so lautet eines der großen Jubiläen dieses noch jungen Jahres 2010. Eine Dekade erstes geflutetes Tagebaurestloch im Großraum Leipzig – wir wollten von einigen Politikern und Verwaltungsleuten wissen, wie sie die Entwicklung des Gewässers einschätzen. Angefragt waren unter anderem Markkleebergs Oberbürgermeister Bernd Klose und sein Kollege Burkhard Jung aus dem Leipziger Rathaus. Erste Gratulantin war am 12. April die Ex-Landrätin und heutige Landtagsabgeordnete Petra Köpping (SPD). Heute kommt der Markkleeberger Landtagsabgeordnete Oliver Fritzsche (CDU) zu Wort.
Seit Herbst Landtagsabgeorndeter für die CDU: Oliver Fritzsche. Foto: Bernd Reiher

Herr Fritzsche, zehn Jahre Cospudener See, was hat der See aus Ihrer Sicht für die Stadt Markkleeberg und den Südraum gebracht?
Fritzsche: Wo vor zwei Jahrzehnten noch Kohlebagger ihren Dienst taten, ist eine fantastische Freizeit- und Erholungslandschaft entstanden. Der Cospudener See zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise den Wandel einer gesamten Region. Er bietet Potential für vielfältige Aktivitäten. Der See ist über die vergangenen zehn Jahre zu einem zentralen Stadtbaustein für Markkleeberg geworden. Die Stadt Markkleeberg ohne den Cospudener See ist kaum mehr vorstellbar. Die rege Nutzung durch Anwohner und Erholungssuchende zeigt die Akzeptanz dieser jungen Kulturlandschaft im Leipziger Südraum.

Die Entwicklung war rasant, es gab aber auch Problemzonen – was hätte aus Ihrer Sicht besser werden können?
Fritzsche: Wenn man sich vergegenwärtigt, wo der Ausgangspunkt der Seenentwicklung liegt, dann wird deutlich, welche Mammutaufgabe mit der Entwicklung des Cospudener Sees durch die Region zu meistern war. Beschleunigt durch die Möglichkeiten der EXPO 2000 war es die Aufgabe aller Akteure im Leipziger Südraum, die Entwicklung des Sees nicht nur zu begleiten, sondern sie aktiv zu gestalten. Unterschiedliche Vorstellungen, Erfahrungen und Interessen mussten in diesem Prozess gebündelt und abgewogen werden. Eine solche Aufgabe ist nicht frei von Konflikt und stellt hohe Anforderungen an die Kommunikation aller Beteiligten. Manche Dinge lassen sich im Vorfeld einer solchen Landschaftsumgestaltung auch nur
erahnen und manches Mal zeigt sich erst in der Umsetzung die gesamte Komplexität. Es ist daher insbesondere allen zu danken die den Mut hatten, Dinge zu entscheiden und Entwicklungen auf den Weg zu bringen. Diesen Mut wünsche ich der gesamten Region auch für die Zukunft.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Cospudener Sees?
Fritzsche: Ich hoffe und wünsche, dass es auch in Zukunft ein friedliches Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen und damit Nutzergruppen am See gibt. Mit dem Cospudener See wurde etwas sehr Wertvolles für die gesamte Region geschaffen. Ich hoffe, dass alle beteiligten Akteure – vom Erholungssuchenden, über den Aktivsportler bis zum Gewerbetreibenden – dies anerkennen und entsprechend handeln. Der Cospudener See ist nicht nur ein Geschenk für die Menschen, sondern auch Verpflichtung. Der See ist ein Markenzeichen für Markkleeberg und die Region – er ist unser Markenzeichen.
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"Für die Bevölkerung entwickeln": Petra Köpping und zehn Jahre Cospudener See
(12.04.2010) Zehn Jahre wird er alt, der Cospudener See, in diesem Jahr. Am 1. Juni 2000 ist er eröffnet worden. Was er brachte, war eine Wende im Leipziger Stadtleben – das Wasser spielte plötzlich eine sehr große Rolle. Dampfer fahren zum Beispiel konnte man bis dahin in der Messestadt
nicht – im Sommer 2000 aber war es groß in Mode.

Seit seiner Eröffnung hat sich der See prächtig entwickelt. Vieles, was dafür geplant und realisiert werden musste, ging vorher auch über den Schreibtisch von Petra Köpping, als der noch in der Bornaer Stauffenbergstraße stand. Von 2001 bis 2008 war sie Landrätin des Kreises Leipziger Land. Ahnte schon früh, welches Potenzial für die geschundene Tagebauregion in der neuen Seenlandschaft stecken würde. Heute sitzt sie im sächsischen Landtag in Dresden. Kümmert sich um Wirtschafts- und Kommunalpolitik. Den See aber hat sie nicht vergessen. Am 9. April schickte sie uns einige Zeilen zum runden Jubiläum des Gewässers.
Als Landrätin vieles mit dem Cospudener See erlebt: Petra Köpping. Fotos: Bernd Reiher

Frau Köpping, zehn Jahre Cospudener See - was hat der See aus Ihrer Sicht für die Stadt Leipzig und den Südraum gebracht?
Aus einer Region, die lieber keiner kennen wollte, ist eines der beliebtesten Naherholungsziele für ganz Leipzig und die umliegenden Regionen geworden. Sobald die Sonne scheint, hat man das Gefühl, ganz Leipzig versammelt sich am See. Es ist wunderbar und hat die Erwartungen der damaligen Visionäre aus dem Südraum von Leipzig, ein Leipziger Neuseenland zu bauen, wirklich erfüllt. Neben der Umsetzung der größten Landschaftsbaustelle Europas von einer Tagebaulandschaft in eine Seenlandschaft, sind neue Wirtschaftszweige und damit Arbeitsplätze geschaffen worden.

Die Entwicklung war rasant, es gab aber auch Problemzonen – was hätte aus Ihrer Sicht besser werden können?
Es gab in den vergangenen Jahren eine enge Zusammenarbeit zwischen den kommunalen Akteuren, den Gemehmigungsbehörden und der Landesregierung, sowie der LMBV. Dennoch war die Zusammenarbeit nicht nur von Harmonie geprägt. Klar, es musste eine Abstimmung zwischen den Städten und Gemeinden zur Nutzung der Seen getroffen werden, aber auch Befindlichkeiten zwischen den einzelnen Akteuren waren nicht immer nur von Vorteil. Aus heutiger Sicht schätze ich den Beginn der Entwicklung des Leipziger Neuseenlandes als wesentlich besser ein, als im späteren Verlauf. Aber man darf auch nicht verkennen, dass natürlich auch die Entscheidungsprozesse im Laufe der Jahre nicht einfacher
geworden sind.

Ein weiterer schwieriger Punkt ist die Mitnahme der Bürgerinnen und Bürger. 10 Jahre Entwicklung sind auch eine lange Zeit und nicht alle können sich an die Anfänge erinnern, oder sie waren noch gar nicht in dieser Region. So ist die Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiger Punkt für die Akzeptanz der Planungen und sie müssen auch an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Die Entwicklung des Leipziger Neuseenlandes darf nicht gegen die Interessen der Bürger erfolgen. Denn für die Bevölkerung sollen sich die Seen ja entwickeln.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Cospudener Sees?
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Abstimmungen, und die betreffen ja nicht nur den Süden von Leipzig, also für das gesamte Leipziger Neuseenland, konstruktiv und im Interesse der gesamten Region stattfinden. Aber ich wünsche mir auch die Unterstützung der Bevölkerung bei der Umsetzung. Was hier entsteht, ist einmalig - wo in Deutschland hat man schon die Möglichkeit, eine neue Landschaft zu gestalten. Diese Chance der Gestaltung, sollten wir gemeinsam nutzen.

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"Beach & Boat" in Leipzig: Christian Conrad, 10 Jahre Cospuden, 2009 und 2010

(07.02.2010) Die Wassersportmesse „Beach & Boat“ – vor knapp einem Jahr ging ihre Premiere auf dem Neuen Leipziger Messegelände über die Bühne. Vier Tage Wassersportschau vor den Toren der einstmals wasserarmen Messestadt. Rund 12.000 Besucher sollen damals gezählt worden sein. Angelockt von reichlich 100 Teilnehmern auf der Aussteller-Seite.

Jetzt, Anfang Februar 2010, steht die zweite Ausgabe dieses jungen Messeprojektes vor der Tür. Kleiner geworden ist sie nicht. Rund 130 Aussteller sollen ihr Kommen angekündigt haben. Begleitet wird ihr buntes Treiben auch in diesem Jahr wieder vom so genannten „Seenland-Kongress“, von Fachvorträgen und einem quirligen Treiben am Pool.

Christian Conrad ist einer der Namen, die dabei auf der Rednerliste zu finden sein werden. „Zehn Jahre Cospuden“ sind das Thema, das ihm dafür zur Hausaufgabe geworden ist. Eine Dekade neue Seenlandschaft, die er nicht nur miterlebt, sondern auch mitgestaltet hat. Aus seinen Anfängen in der ehemaligen Bretter-Bude am Cospudener See ist schließlich nicht nur ein quicklebendiges Hafendörfchen „Pier1“ sondern auch die LeipzigSeen GmbH geworden, die sich heute auch um die Bewirtschaftung des Kulkwitzer Sees und die Entwicklung am Hainer See kümmert.

Was genau er sich für die Gastrolle am Rednerpult der Messehalle 5 vorgenommen hat, das wollten wir schon im Vorfeld von Christian Conrad selbst wissen. In seiner Antwort steckten auch einige Angaben zur vergangenen Saison und ein paar Worte des Ausblickes auf das Jahr 2010.
Christian Conrad und "Zehn Jahre Cospudener See": Aus einer Holzbaracke nicht nur das Hafendörfchen Pier1 gemacht. Fotos: Reiher/Conrad

Herr Conrad, ein kurzer Rückblick auf 2009 – was sagt die Bilanz zur vergangenen Saison am Cospudener See und dem Kulkwitzer See?
(Conrad): Trotz Wegfall der Computerspielemesse Games Convention konnte der Kulkwitzer See an die Übernachtungszahlen von 2008 auch in 2009 anknüpfen. Die ca. 36.000 Übernachtungen an der „Leipziger Küste“ könnten auch mit der krisenbedingt gestiegenen Zahl an günstigen Inlandsausflügen der Deutschen zu erklären sein.

Am Cospudener See zahlten sich die Verschönerungsarbeiten am Biergarten am Pier1 aus – der Biergarten lockte so viele Gäste wie noch nie an. Pier1 baute in 2009 die ersten Stege am Hainer See, die jedoch erst mit Erreichen des Endwasserstandes genutzt werden dürfen. Der schöne Sommer war der Garant für ein wiederum sehr besucherstarkes Jahr an beiden Seen, bei beiden konnten ca. 500.000 Gäste gezählt werden.

Im Rahmenprogramm der "Beach & Boat" ist auch der Name Christian Conrad zu finden – worum genau wird es gehen beim Vortrag "Zehn Jahre Cospuden"?
(Conrad): Der Cospudener See wird 10 Jahre alt – das ist schon mal ein Grund zum feiern und zurückblicken. Wer kennt schon noch die Anfänge von Pier1 in den Strossenstellwerken der LMBV? Wer erinnert sich an den enorm schnellen Bau des Piergebäudes am Hafen, um pünktlich zur Expo 2000 etwas zum Vorzeigen zu haben? Dies und viele Eindrücke aus 10 Jahren Cospudener See wird Christian Conrad zur Beach & Boat zeigen.

Was wird das Jahr 2010 Neues am Cospudener See und dem Kulkwitzer See bringen, welche neuen Vorhaben sind geplant?
(Conrad): Am Cospudener See werden weitere der kleinen bunten Bootshäuschen gebaut, die Surfern und Einzelhändlern zur Verfügung gestellt werden. Zudem wird weiter an der Renovierung des Biergartens gearbeitet. Desweiteren hat das beliebte Restaurant Seeterrasse seine Küche renoviert und seine Kapazitäten im Sinne der Gäste erhöht. Am Kulkwitzer See werden die 20 Finnhütten aus den 70ern grundhaft instandgesetzt und erstrahlen in bunten Farben. Das Highlight des Jahres wird aber sicher die Fertigstellung des Kanals nach Leipzig mit den zwei Schleusen. Im Sommer wird der erste Kurs des Leipziger Gewässernetzes in den Cospudener See eröffnet.

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Markkleeberger See zwischen 2009 und 2010: Seenbetreiber im Interview

(02.02.2010) „Markkleeberger See zugefroren – Eisfläche bitte nicht betreten“ heißt es in diesen Tagen auf den Webseiten des kleinen Gewässers am Südost-Ende der gleichnamigen Pleißestadt. Der vierte Geburtstag ist es, den es für ihn in diesem Jahr zu feiern gilt. Vieles ist geschehen seit Eröffnung im Juli 2006. Mit den Neuankömmlingen „Eiscafé“ und „Weinbeißerei“ wurde 2009 schließlich auch das gastronomische Angebot komplettiert.

Baulich und wassertechnisch ist momentan allerdings auch am Markkleeberger See eher Winterpause angesagt. Koordinatorische Sachen sind es zumeist, die derzeit vor und hinter den Kulissen über die Bühne gehen. Welche das sind, das wollten wir Ende Januar vom Seenbetreiber EGW wissen. Wir fragten auch nach einer Bilanz für das Jahr 2009 und einem Ausblick auf 2010. Die Antworten kamen von EGW-Urgestein Bernd Walther.
Slippstelle und Surfbereich im Jahr 2010: Der Markkleeberger See zwischen Wachau, A38 und B2. Fotos: Bernd Reiher

Herr Walther, der Markkleeberger See und das Jahr 2009: welche Höhepunkte, wo gab es nur Teilerfolge – was sagt die Bilanz?

(Walther): Mit der Freigabe bzw. dem Nutzungsbeginn am Auenhainer Strand ist der Ausbau der Strände am Markkleeberger See nun abgeschlossen. An diesem Strandabschnitt konnten bislang fehlende, aber stark nachgefragte Nutzungsmöglichkeiten integriert werden: Grillplatz, Beach-Volleyball, Strandabschnitt als Hundestrand und behindertengerechter Gewässerzugang. Der Strand wurde in der Saison 2009 bereits stark frequentiert.

Mit dem Ausbau der Steganlage in Markkleeberg-Ost können erste 20 Liegeplätze für Boote am Markkleeberger See angeboten werden. Durch die Baumaßnahme kam es in der Saison 2009 jedoch zu Ausfällen beim Bootsshuttle „Solaria1“ zwischen Kanupark und Seepromenade.

Durch die Freigabe der Erschließungsstraße „Bootssteig“ südlich des Kanuparks konnten verbesserte Parkbedingungen für Behinderte und Busse geschaffen werden. Gleichzeitig besteht damit die notwendige Voraussetzung für die Nutzung des Surfbereichs sowie der geplanten Slippstelle.

Die Inbetriebnahme der Servicestationen an den Stränden konnte nicht, wie zunächst vorgesehen, im Jahr 2009 erfolgen. Es musste daher nochmals mit Miet-WC-Containern gearbeitet werden. Vor allem am Wachauer Strand war dies durch nicht vorhandene Strom-, Wasser- und Abwasserversorgung nur mit einem sehr hohen Aufwand möglich.

Eine Zählung von Besuchern wurde durch die EGW im Jahr 2009 nicht vorgenommen. Jedoch konnte mit Blick auf die gesamte Saison 2009 – einhergehend mit den neuen Nutzungsmöglichkeiten und zahlreichen Veranstaltungen – eine weitere Zunahme der Besucherzahlen festgestellt werden.

Was passiert aktuell in diesen ersten Wochen des Jahres 2010 rund um das Thema "Markkleeberger See"?

(Walther): Derzeit beschäftigt den Betreiber zum Einen der ausgeprägte Winter. Zur Freude vieler Freizeitsportler liegt am Markkleeberger See seit 02.01.2010 reichlich Schnee. Um den Wintersportaktivitäten am See Möglichkeiten zu geben, werden nur Parkplätze, Straßenbereiche und Fußwege, nicht jedoch der Uferrundweg vom Schnee beräumt – was v.a. Langläufer und Rodler anzieht. Daneben werden bei entsprechender Schneelage durch Partner der EGW wieder Pferdeschlittenfahrten auf dem Uferweg angeboten.

Weiterhin haben die gastronomischen Einrichtungen an der Seepromenade und in der Auenhainer Bucht auch im Winter geöffnet. Höhepunkt der Winteraktivitäten ist sicherlich das „Skispringen“ am Auenhainer Strand. Zum Anderen bereitet die EGW derzeit intensiv die Saison 2010 sowie die Umsetzung der notwendigen Bewirtschaftungsmaßnahmen vor.

Welche Projekte sind für 2010 in Vorbereitung – welche Bauvorhaben sind geplant?

(Walther): Derzeit laufen die Erschließungsarbeiten der Stadt Markkleeberg auf dem Gelände des Silberschachtes. So sind in den vergangenen Monaten bereits die Bauarbeiten zum Verlegen der Ver- und Entsorgungsleitungen fertiggestellt worden. Nach Aussage der Stadt Markkleeberg soll in den nächsten Wochen und Monaten die weitere Erschließung des oberen Plateaus erfolgen. Hier sollen in den nächsten Jahren Sport- und Erholungsflächen entstehen.

Durch die EGW ist der Ausbau einer Slippstelle südlich vom Kanupark vorgesehen. Im Bereich der Slippstelle soll auch dem bislang bestehenden Defizit an Möglichkeiten zur Lagerung von Booten an Land durch das Angebot von Trockenliegeplätzen Rechnung getragen werden. Direkt angrenzend wird ein Surfbereich eingerichtet, der als Ausgangspunkt für wassersportliche Aktivitäten genutzt werden kann.

Im Auftrag der LMBV erfolgen seit November 2009 Arbeiten im Bereich der Flutungsleitung im Bereich des Südufers. In diesem Zusammenhang kann es in den nächsten Wochen zu Einschränkungen bei der Nutzbarkeit der Uferwege in diesem Bereich kommen. Im Auftrag der LMBV und des Projektträgers Stadt Markkleeberg laufen außerdem die Planungen für das Schleusenbauwerk zwischen Markkleeberger und Störmthaler See.

Im B-Plangebiet Seepromenade werden im Jahr 2010 weitere Grundstücke besiedelt. Daneben fördert die Kultur- und Umweltstiftung der Sparkasse Leipzig die erste Informationsstele des erdgeschichtlichen Zeitpfads am Markkleeberger und Störmthaler See. Sie wird 2010 an der Seepromenade errichtet

Im September 2009 wurde im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Ost (GA) ein Förderantrag durch die Stadt Markkleeberg zur Errichtung eines Erlebnisrastplatzes mit Schutzhütte und Waldspielplatz am Markkleeberger See eingereicht. Als Standort ist der Bereich westlich der Seepromenade vorgesehen. Direkt am Rundweg gelegen, soll der Rastplatz für Spaziergänger, Radfahrer und mit der zukünftigen Gewässerverbindung zwischen Pleiße und Markkleeberger See auch für Wasserwanderer sehr gut zugängig sein.

Wie geht es mit dem Auenhainer Strand weiter?

(Walther): Der EGW wird durch die Stadt Markkleeberg zu Saisonbeginn 2010 der Bereich der Servicestation zur Bewirtschaftung übergeben. D.h.: Durch die Stadt Markkleeberg werden die Erschließungsmaßnahmen sowie die bauliche Umsetzung der WC-Anlagen abgeschlossen. Gleiches gilt für den Wachauer Strand.

Auf Grundlage der Erschließungsmaßnahmen der Stadt Markkleeberg sind Auenhainer und Wachauer Strand nun auch mit Stromanschlüssen ausgestattet. Außerdem sollen die Bepflanzungsmaßnahmen am Strand in den nächsten Wochen fortgeführt werden. Mit Saisonbeginn wird auch der behindertengerechte Zugang zum Gewässer in die Bewirtschaftung übernommen. Durch die EGW ist weiterhin die Einrichtung einer Strandversorgung in der Badesaison vorgesehen. Mittelfristig ist außerdem vorgesehen, am Auenhainer Strand einen Zugang zum Gewässer für Taucher einzurichten. Dazu ist eine entsprechende wasserrechtliche Genehmigung notwendig, da das Tauchen im Markkleeberger See derzeit noch nicht erlaubt ist.

Was wird das Jahr 2010 Neues für den Markkleeberger See bringen?

(Walther): Auf alle Fälle mehr Bewegung (Segelboote) auf dem Wasser!

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Im Stadtrat ist nichts passiert": Monika Heinrich, das "Golfhotel" und der Flächennutzungsplan

(09.12.2009) Ein Golfhotel am Cospudener See, das war ein Thema, das Anfang dieses Jahres die Gemüter in Markkleeberg und dem angrenzenden Messestädtchen erhitzte. Geplant war es für das Südost-Ufer des kleinen Tagebaufolgesees, südlich des Hafendörfchens Pier 1. Als Vorhabensträger fungierte damals die Leipziger Unister GmbH. Dass die Drahtzieher aber scheinbar selbst aus Markkleeberg kamen, wurde schnell vergessen, als erst ein anonymer Drohbrief und dann die Fax-Absage der Investoren für das frühzeitige Aus dieses Vorhabens sorgten.
Umwandlung für OBM keine Priorität: Monika Heinrich, Bürgerinitiative, Flächennutzungsplan. Fotos: Bernd Reiher

Seit den Anfängen dieser Wirren ist knapp ein Jahr ins Land gegangen. Zwar sollte der für diesen Wirbel ursächliche Vorbehalt für eine Golfnutzung im Nachgang aus dem Flächennutzungsplan gestrichen werden. Dass daraus aber noch nicht viel geworden ist, ergab jetzt eine Anfrage an die Bürgerinitiative „Stop Privatisierung Cospudener See“. Monika Heinrich ist die Sprecherin dieses Einwohnerverbundes. Warum die derzeitige Ruhe auch eine trügerische sein kann, verriet sie der L-IZ im Kurz-Interview.

Frau Heinrich, nach dem Rückzug des Investors gab es viele Anläufe, den Flächennutzungsplan vom Vorbehalt "Golfplatz/

Golfnutzung" zu bereinigen – was ist daraus geworden?

Heinrich: Buchstäblich nichts. Die Stadtverwaltung Markkleeberg wurde bereits im April 2009 durch den Stadtrat beauftragt, Vorschläge zur Änderung des Flächennutzungsplanes (FNP) im Gebiet des Sondergebietes Golfplatz zu erstellen und zur Abstimmung in den Stadtrat zu bringen. Im Sommer stand auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung ein Punkt zum FNP. Dieser wurde jedoch kurzfristig wieder gestrichen. Auf unserer Anfrage im Oktober stellte OBM Dr. Klose einen Termin im Dezember in Aussicht. Nach neuesten Informationen soll es nun irgendwann im kommenden halben Jahr zu einem neuen Termin kommen.

Wie lässt sich aus Ihrer Sicht die Haltung von OBM Klose in dieser Sache in den letzten Monaten beschreiben?

Heinrich: Der Stadtrat hat mit dem Auftrag zur Überarbeitung des FNP auch eine klare Richtung vorgegeben: Umwandlung des Sondergebietes "Golfplatz" in Fläche für Wald und naturnahe Grünflächen. Dieses scheint keine hohe Priorität bei Herrn Dr. Klose zu genießen. Wenn man bedenkt, mit welchem Nachdruck OBM Dr. Klose Anfang des Jahres die Umwandlung von naturnahen Fläche für Erholung in Bauflächen verfolgt hat, ist die jetzige Haltung der Stadtverwaltung nicht anders zu erklären. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der OBM, nachdem sich nun die Wogen etwas geglättet haben, auf den nächsten Investor wartet, um dann dort weiter zu machen, wo er durch die Bürger im Frühjahr gestoppt wurde.

Was ist im Stadtrat in den letzten Monaten in dieser Sache geschehen?

Heinrich: Im Stadtrat ist nichts passiert, da bisher noch kein neuer Entwurf zur Überarbeitung des FNP zur Diskussion vorliegt. Einzelne Stadträte und Fraktionen haben sich aber vor den Kommunalwahlen zum Thema FNP positioniert. Siehe dazu unsere Internetseite.

Wie ist die aktuelle Situation im November/Dezember 2009?

Heinrich: Der Flächennutzungsplan ist seit 2003 unverändert. Nach wie vor ist darin ein Sondergebiet "Golfplatz" vorgesehen. Damit ist es jederzeit möglich, dass neue Pläne zur Bebauung der Naturflächen am Cospudener See auftauchen.

Wie geht es in dieser Sache weiter?

Heinrich: Die Bürgerinitiative verfolgt nach wie vor das Ziel, über eine Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Markkleeberg, das Sondergebiet am Cospudener See in Flächen für Wald und naturnahe Grünflächen um zu wandeln. Nachdem die Stadtverwaltung hier keine Fortschritte macht, wird die Bürgerinitiative wieder aktiv. Wir haben Herrn OBM Dr. Klose ein Schreiben gesendet, mit dem wir erneut unsere Zusammenarbeit bei der Überarbeitung des FNP anbieten. Wir warten nun gespannt auf seine Antwort.

Bürgerinitiative im Netz: www.buergerinitiative-cospudener-see.de

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"Bäumchen rupfen im Elsterstausee": Klaus-Werner Matzelt und ein sehr kurzes Kurzinterview

(08.12.2010) Traurig sieht es aus, am Elsterstausee im Südwesten von Leipzig. Das Wasser ist verschwunden. Bäume wachsen auf jenem Boden, der einstmals der Seegrund war. Die Rettungs-Bilanz des Jahres 2009 ist durchwachsen. Im Juni gab der Stadtrat grünes Licht, die Zukunftsperspektiven des Sees durch einen Gutachter ausloten zu lassen. Im November war bekannt geworden, dass dieses Gutachten zwar da ist, weitere Schritte wohl aber erst im Frühjahr 2010 zu erwarten sind.
"Günstig wäre eine schnelle Befüllung": Klaus-Werner Matzelt und der Elsterstausee. Fotos: privat/BR

Klaus-Werner Matzelt ist Vorsitzender und Sprecher des Fördervereines Elsterstausee. Er lädt am kommenden Sonnabend zu einem „Adventsschmaus am Elsterstausee“. Motto dieser Aktion: „Jeder Teilnehmer rodet ein Bäumchen aus dem ausgetrockneten Seeboden!“ Von ihm wollten wir im Vorfeld wissen, wie er die momentane Lage bei der möglichen Neugeburt des einstmals für seinen Fischreichtum bekannten Neuseenland-Gewässers einschätzt.

Herr Matzelt, wie ist die aktuelle Situation beim Elsterstausee aus Ihrer Sicht?

Matzelt: Der See befindet sich in einem desolaten Zustand. Bis auf zwei kleine Restflächen ist er ausgetrocknet. Auf weiten Flächen hat sich ein starker Baumbewuchs entwickelt.

Ende November gab es eine Stadtratssitzung zum Thema Elsterstausee – was ist dabei herausgekommen?

Matzelt: Im November gab es keine Stadtratsitzung zum Elsterstausee. Ich habe lediglich die Möglichkeit genutzt, eine Einwohneranfrage diesbezüglich zu stellen. Ergebnis: Erst Ende des 1. Quartals 2010 will die Stadtverwaltung eine Beschlussvorlage erarbeitet haben. Die Zukunft bleibt weiter in der Schwebe.

Das Gutachten zum aktuellen Zustand liegt jetzt im Umweltdezernat – was sagen die externen Experten zum Elsterstausee?

Matzelt: Das müssen Sie das ASG (Amt für Stadtgrün und Gewässer, Anm. d. Redaktion) fragen. Trotz Bitten hat der Förderverein keine Einsicht in die Gutachten nehmen können.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Elsterstausee?

Matzelt: Bitte Einladung zum Adventschmaus beachten. Günstig wäre eine schnelle Befüllung des Sees mit Wasser!

Was sind die nächsten Vorhaben des Fördervereines – welche Pläne?

Matzelt: In Workshops des Fördervereins wird mit kompetenten Partnern an einem wirtschaftlichen Nutzungskonzept für den See gearbeitet. Die Unterstützerbriefaktion läuft weiter (bisher über 4.000). Wir bemühen uns, den Rückübertragungsprozess des Sees von der GAF zur Stadt zu beschleunigen. Unser Ziel ist es nach wie vor, der Stadtverwaltung unsere Hilfe bei der Findung einer Lösung für einen finanziell vertretbaren Erhalt und nachhaltigen Weiterbetrieb anzubieten. Damit könnte dem Bürgerwillen, dem Votum der Landtagsabgeordneten und dem Stadtratsbeschluss vom Juni 2009 entsprochen werden.

Adventsschmaus am Elsterstausee: 12. Dezember, ab 10:00 Uhr

Treffpunkt: Nordufer, Gaststätte „Zum wilden Hecht“

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Highfield im Neuseenland: Die Gemeindeverwaltung Großpösna und die Vorbereitungen

(04.12.2009) Der Störmthaler See am Südost-Ende von Leipzig, er wird die nächste große Nummer auf der Landkarte des Neuseenlandes sein. Fertig ist er noch lange nicht. Vieles erinnert hier noch an die einst von Menschenhand geschaffene Mondlandschaft. Schon im nächsten Jahr soll an seinen Ufern aber ein Musik-Festival gefeiert werden, das als das größte Ostdeutschlands gehandelt wird.

25.000 Besucher waren es, die beim letzten „Highfield“ am Thüringer Stausee Hohenfelden gezählt worden sind. Eine Zahl, die auch für die Premierenausgabe am Störmthaler See angepeilt ist. „Highfield im Neuseenland“ - ein Vorhaben, für das noch einiges an Vorarbeit zu bewerkstelligen ist. Regieführend dabei ist die Gemeindeverwaltung Großpösna. Von ihr wollten wir wissen, wie es derzeit um die Vorbereitungen steht. Die Antworten kamen von Daniel Strobel, dem Hauptamtsleiter der 6.000 Seelen zählenden Gemeinde.
"Im ersten Jahr mit mobilen Einrichtungen": Daniel Strobel und das "Highfield" am Störmthaler See. Foto: Daniel Strobel

Herr Strobel, im Sommer soll das erste Highfield-Festival am Störmthaler See über die Bühne gehen - wie ist der Stand der

Dinge bei den Vorbereitungen?

Strobel: Die ohnehin beabsichtigte Erschließung der Magdeborner Halbinsel für den geplanten Hafen, Campingpark und Feriendorf muss nun ein ganzes Stück schneller gehen, als wir das ursprünglich eingeplant hatten. Zur Koordination der Verwaltungen wurde eine Lenkungsgruppe ins Leben gerufen, an der u.a. die Landesdirektion, der Landkreis Leipzig, die LMBV, die Regionale Planungsstelle und das Oberbergamt beteiligt sind. Zu den ganz praktischen organisatorischen Fragen, bspw. wie die Verkehrslenkung organisiert wird, fanden schon Abstimmungsgespräche im Landratsamt Leipzig statt, an denen auch der Veranstalter beteiligt war. Alle betroffenen Ämter sind informiert und arbeiten sehr professionell an der Vorbereitung mit. Desweiteren laufen Abstimmungen, wie die touristischen Angebote im Leipziger Neuseenland für die Festivalgäste genutzt werden können.

Welche Bau- und Erschließungsmaßnahmen sind es, die bis dahin noch realisiert werden müssen?

Strobel: Ziel ist es, konzentriert und zügig an der äußeren Erschließung zu arbeiten. Im ersten Jahr soll z.T. mit mobilen Einrichtungen gearbeitet werden. Der Veranstalter wäre in der Lage, die Wasserver- und Abwasserentsorgung des Geländes vollständig mobil sicherzustellen. Der Stromanschluss muss aber auf jeden Fall 2010 bereitgestellt sein. Im Rahmen der Erschließung werden dann Wasser- und Abwasserleitungen verlegt, die auf die zukünftige Nutzung (Hafen/Feriendorf/Campingpark) ausgelegt sind, das Festival aber berücksichtigen. Wie das technisch aussehen kann, wird gerade untersucht. Die Planungen für die gesamte äußere Erschließung der Magdeborner Halbinsel hat der Gemeinderat am 23.11.2009 vergeben.

Mit wievielen Besuchern rechnen Sie insgesamt?

Strobel: Der Veranstalter hat sich zum Ziel gesetzt, die Besucherzahl dieses Jahres wieder zu erreichen. Das wären
25.000 Gäste. Die Karten sind jetzt schon im Vorverkauf.

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Zerplante Naherholung am Kulkwitzer See: Interessengemeinschaft im Interview

(23.11.2009) Um ein Naherholungsgebiet ging es, als einst in den 1970er Jahren die Pläne für den Kulkwitzer See in die Tat umgesetzt worden sind. Dass sie gelungen sind, können wir heute am Ergebnis sehen. Aus dem einstigen Loch ist eine lebendige Landschaft geworden. Sie allerdings ist so attraktiv, dass es in Leipzig und Markranstädt Bemühungen gibt, diese Potenziale besser zu nutzen. „Bebauungsplan“ heißt das Wörtchen, das momentan ziemlich bedrohlich über der kleinen Idylle am Westend von Leipzig kreist. Warum sie sich trotzdem für ein solches Papier stark macht, das wollten wir von der IG Kulkwitzer See wissen. Gestoßen sind wir auf Elke Göbel, eine der Sprecherinnen der Interessengemeinschaft.
Schreibt Naherholung am Kulkwitzer See ganz groß: Elke Göbel, Sprecherin der Interessengemeinschaft. Foto: Elke Göbel, privat

Frau Göbel, wie ist die aktuelle Situation beim Kulkwitzer See?

Der Bebauungsplanentwurf (B-Plan) 232 der Stadt Leipzig wurde 2008 zum dritten Mal in fast unveränderter Form vorgestellt, um am Ostufer des Kulkwitzer Sees ein Tourismuszentrum zu etablieren. Fast 10.000 Unterschriften bringen klar zum Ausdruck, dass die Anwohner bzw. Besucher des Sees gegen diesen sehr einseitig auf Fremdtourismus abzielenden Entwurf des Bebauungsplanes sind. Mit dieser Aktion wollen wir mit der Stadt Leipzig in einen ergebnisorientierten Dialog treten. Ein B-Plan wird benötigt, damit endlich Rechtssicherheit hergestellt wird, was erlaubt ist und wie vorrangig die Interessen der Anwohner, der Naherholung und die Gegebenheiten und Werte des Sees gewahrt werden.

Der See, mit einer Vielzahl von Naturjuwelen, ist nicht nur durch die Bebauungspläne gefährdet. Taucher des Tauchsportvereins Leipziger Delphine machen seit Jahren auf eine immer rasantere Verschlechterung der Wasserqualität aufmerksam. Die aus kommerzieller Sicht hoch gelobte Wasserqualität mit großen Sichttiefen ist am Kulkwitzer See nicht mehr vorhanden.

Was gefällt Ihnen am aktuellen Bebauungsplan 232 nicht?

Die Stadtverwaltung widerspricht sich selbst. Einerseits hebt sie die Bedeutung des Naherholungsgebietes (NEG) Kulkwitzer See als einziges NEG und Stadtteilpark für den westlichen Teil Grünaus hervor. Sie weist im Planentwurf darauf hin, dass der Kulkwitzer See bedeutsam sei für wohnungsnahe Erholung. Planungsziel sei, die Naherholungsinteressen der Bewohner zu verbessern. Auch das Stadtentwicklungskonzept (SEKO) führt 2009 aus, dass auch der Kulkwitzer See zu den attraktiven Naherholungsmöglichkeiten unserer Stadt gehört.

Andererseits will die Leipziger Stadtverwaltung diese Naherholung zu Gunsten des Fern- und Eventtourismus deutlich verringern. Im B-Plan sind 13 Sondergebiete für Touristen aufgeführt. Im Umweltbericht des in Rede stehenden Planes werden seitenweise ökologische und soziale Risiken aufgeführt, die gegen diesen Plan sprechen, aber im Planentwurf werden dann keine Konsequenzen daraus gezogen.

Wo ist das Problem?

Neben der Bedeutung scheint auch die Geschichte des Sees völlig in Vergessenheit zu geraten. Nach dem Braunkohletagebau wurde 1973 das Naherholungsgebiet Kulkwitzer See eröffnet. Die Kosten betrugen von 1972 bis 1988 mehr als 35 Millionen Mark aus dem Staatshaushalt und aus Lottomitteln. Es gab z.B. 600 Strandkörbe, 100 Liegestühle – beste Voraussetzungen für Naherholung. Ein Team von knapp 70 Mitarbeitern schuf von 1969 bis 1976 die idyllische Oase am Rande Leipzigs. „Ohne die vielen Helfer, die in ihrer Freizeit an der Entstehung und Gestaltung des Erholungsgebietes mitwirkten, hätten wir das Projekt nie geschafft“, berichtete der 1. Technische Leiter, Frank Böhme, der Grün-As 2003.

In der genannten Zeit entstand von Leipzigern ein Naherholungsgebiet (NEG) für Leipziger. Am Kulkwitzer See, aber auch in seinem Hinterland, hat sich die Natur zurückerobert, was der Mensch ihr einst nahm. Der Mensch darf dieses wertvolle Gut nicht erneut zerstören. In dem derzeitigen 49-seitigen Planentwurf stehen jedoch Hotels, Ferienhäuser und Anlagen für freizeitorientierte Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe in Campingbereichen im Vordergrund.

Nach den geplanten Privatisierungen würden zum Beispiel öffentliche parkähnliche Anlagen und Wiesen an etlichen Stellen verschwinden. Geplante Ausgleichsmaßnahmen entsprechen nicht den bisherigen Erholungsflächen, sind an Stellen geplant, wo sich bereits wertvolle Natur etabliert hat oder sind zum Beispiel in einem völlig anderen Stadtteil in Großzschocher vorgesehen. Der bisherige Planentwurf hat menschlich (Bürgerfreundlichkeit) und ökologisch (naturschutzfachlich) total versagt. Deshalb haben auch so viele Bürger für einen völlig anderen B-Plan, der ihre Interessen berücksichtigt, unterschrieben.

Sie sind nicht gegen einen Bebauungsplan, Sie fordern einen neuen – was muss geändert werden?

Am Kulkwitzer See hat sich die Natur zurückerobert, was der Mensch ihr einst nahm. Der Mensch darf dieses wertvolle Gut nicht erneut zerstören. Deshalb muss der Kulkwitzer See, insbesondere auch das Ostufer, für Anwohner uneingeschränkt zugänglich und seine Natur erhalten bleiben. Es darf keine weiteren Privatisierungen und Verbauungen bisher öffentlicher Flächen geben. Die Naherholung der Grünauer und angrenzender Gemeinden muss die absolute Grundidee aller Planungen sein! Über eine sanfte touristische Nutzung, unter Beachtung der Gegebenheiten des Sees, kann man diskutieren. Der Ferntourismus als bisheriger Leitgedanke der Planungen muss vor dem Hintergrund der nun reichhaltigen Entwicklung des Neuseenlandes deutlich in den Hintergrund treten.

Die Interessengemeinschaft Kulkwitzer See erwartet von der Stadt Leipzig, dass bei der Erstellung eines Bebauungsplanes für den Kulkwitzer See die Naherholungsinteressen der Anwohner umfangreich und konkretisiert einbezogen werden. Es müssen Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität und gegen Vandalismus konkretisiert werden.

Der Erhalt der vorhandenen Anlagen und Einrichtungen zur Naherholung sowie der Wiederaufbau des Holzspielplatzes und die Schaffung von erforderlichen öffentlichen und nicht nur saisonal bedingt geöffneten Sanitäreinrichtungen müssen festgeschrieben werden. Es darf keine weiteren Privatisierungen oder Verpachtungen geben, die Voraussetzungen für ein Tourismuszentrum am Kulkwitzer See schaffen. Das Ostufer muss für Anwohner uneingeschränkt zugänglich und seine Natur erhalten bleiben.

Die weitere Gefährdung durch menschliche Ausscheidungen, übermäßig viel Vogelkot und technisch unzureichender Lösungen bei der Wasserableitung ist nicht gebannt. Auch auf diese Problematiken sollte ein B-Plan im Rahmen seiner Möglichkeiten Antworten geben. Risiken dürfen nicht nur genannt, sondern müssen ausgeräumt werden. Sonst stehen in absehbarer Zeit Fischsterben und Badeverbot ähnlich wie am Leipziger Auensee auch am Kulkwitzer See auf der Tagesordnung!

Wie geht es mit Ihrer Initiative weiter, was sind Ihre nächsten Vorhaben?

Der Kulkwitzer See ist einer der wichtigsten Vorteile, in Grünau zu wohnen. Entwickelt sich der See zum Tourismuszentrum, entfällt dieser wichtige Vorteil. Am 21.09.2009 wurden deshalb von der IG zur Quartiersratssitzung den Grünauer Stadträten 6 Fragen zum Naherholungsgebiet Kulkwitzer See übergeben, um die Zusammenarbeit mit den Stadträten zu vertiefen. Zur Zeit bestehen unsere Aufgaben und Vorbereitungen darin, mit den Stadträten Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam mit ihnen klar und deutlich die Interessen der Anwohner am NEG Kulkwitzer See gegenüber der Stadtverwaltung zu vertreten.

Da wir nur den einen See gemeinsam haben, stehen die IG Kulkwitzer See aus Leipzig und die BI Pro Kulki aus Markranstädt in
engem Kontakt und fordern auch von den Politikern und Verwaltungen beider Seiten eine ganzheitliche Betrachtung des Sees.

Mehr Interessengemeinschaft Kulkwitzer See: wwwkulkwitzersee.com

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Nomen est omen: Vom Markenschutz im Leipziger Neuseenland

(13.11.2009) Die Wortkombination “einvernehmliche Lösung“ kann eine verfängliche sein. Sie deutet Kompromissbereitschaft an, blendet aber aus, dass es doch irgendwo gelassene Federn geben muss. “Einvernehmliche Lösungen“ werden gesucht, wenn Arbeitsverhältnisse gekündigt werden oder Geschäftsbeziehungen ihrem Ende entgegensehen.

Manchmal werden sie aber auch vorgeschlagen, wenn es um Markenrechte geht. So geschehen in den letzten Oktobertagen des Jahres 2009. Da hat sich der Leipziger Neuseenland e. V. per Post aufgemacht, anderen Nutzern dieses neuen Namens “einvernehmliche Lösungen“ bei der Klärung dieser Gleichheit anzubieten. Grund: der Verein ist seit April Inhaber der Wortmarke “Neuseenland“. Er wolle jetzt eine “Neuordnung der Berechtigungen zur Verwendung“ der Marke vornehmen.

Scheinbar allen Projekten, die diesen Namen irgendwie mit sich führen, hat er die Suche nach “einvernehmlichen Lösungen“ angeboten und sie zu Gesprächen eingeladen. Dummerweise waren auch einige Unternehmungen dabei, für die es eigentlich keine Lösung braucht. Schließlich sind die Rechte auch dieses Markeninhabers nur beschränkt. Ein Hinweis darauf allerdings fehlte nicht nur bei ihnen, sondern bei allen Adressaten, die diese Post erhielten.

“Markenschutz für einen Landstrich, von dem andere vertrieben wurden“, hieß es dazu am 31. Oktober bei radioneuseenland.de. Mehr Informationen über die Hintergründe kamen jetzt aus dem Deutschen Patent- und Markenamt DPMA selbst. Das ist in München angesiedelt. Barbara Preißner ist die Leiterin der Abteilung Marken und Muster und hat uns die Antworten auf ein paar Fragen geschickt.
"Unter Umständen Löschung": Barbara Preißner zum Markenschutz für das Leipziger Neuseenland. Fotos: DPMA/Reiher

Frau Preißner, in der Region Leipzig entwickelt sich ein Markenstreit um die Wortmarke "Neuseenland". Das aber ist ein

Name, der für diese neue Landschaft mittlerweile auch von der Allgemeinheit verwendet wird. Welche Rechte hat der

Markeninhaber, über die Verwendung eines solchen allgemeinen Begriffes zu bestimmen?

Preißner: Ist eine Marke in das Markenregister des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA) eingetragen worden, so steht dem Markeninhaber ein ausschließliches Recht zu, sie zu benutzen und darüber zu verfügen. Dieses Recht bezieht sich allerdings grundsätzlich nur auf die Verwendung der Marke für bestimmte Waren oder Dienstleistungen, die der Markeninhaber schon mit der Anmeldung hat benennen müssen. Welche Waren und Dienstleistungen dies im Einzelfalle sind, kann man dem Register entnehmen, in das jedermann Einblick nehmen kann. Der Markeninhaber ist hingegen nicht befugt, generell zu bestimmen, ob und wie ein Begriff losgelöst von den eingetragenen Waren und Dienstleistungen zu verwenden ist.

Einzelheiten zum ausschließlichen Recht des Markeninhabers ergeben sich aus dem Markengesetz. Anderen Personen als dem Markeninhaber ist es danach untersagt, ohne dessen Zustimmung im geschäftlichen Verkehr solche Zeichen zu benutzen, die man mit der eingetragenen Marke verwechseln könnte. Beispielsweise darf man derartige Zeichen nicht auf Waren oder einer Warenverpackung anbringen; man darf unter diesen Zeichen Waren weder anbieten noch in den Verkehr bringen, darf sie

weder ein- noch ausführen. Auch in Geschäftspapieren oder zum Beispiel in der Werbung darf man das Zeichen dann nicht

benutzen.

Verletzt jemand das ausschließliche Recht aus der eingetragenen Marke, so kann der Markeninhaber von ihm die Unterlassung verlangen und unter bestimmten Umständen auch Schadensersatz fordern. Darüber hinaus kann er in einem solchen Falle gegebenenfalls durchsetzen, dass widerrechtlich gekennzeichnete Gegenstände, die sich im Besitz oder Eigentum des Verletzers befinden, vernichtet werden. Auch Auskunftsansprüche stehen ihm zu.

Es gibt Sportvereine, Neuseenland-Schäferhunde und ein Radio Neuseenland, niemand ist bisher auf die bestehende

Wortmarke hingewiesen worden – müssen jetzt alle Projekte umbenannt werden, die den Namen Neuseenland

gewählt haben?

Preißner: Zunächst einmal kommt es darauf an, ob ein Zeichen tatsächlich für die Waren oder Dienstleistungen benutzt wird, für

die die fragliche Marke auch eingetragen worden ist. Die Benutzung für andersartige Waren oder Dienstleistungen kann trotz der

Markeneintragung weiterhin frei sein. Außerdem unterliegt der Markenschutz bestimmten Schranken, die sich wiederum aus dem Markengesetz ergeben. So kann der Markeninhaber beispielsweise einer anderen Person nicht untersagen, im geschäftlichen Verkehr ein mit der Marke identisches oder ähnliches Zeichen als beschreibende Angabe für Waren oder Dienstleistungen einzusetzen, sofern die Benutzung nicht gegen die guten Sitten verstößt. Auch kann der Markeninhaber seine Rechte unter Umständen nicht mehr geltend machen, wenn er seine Marke über einen längeren Zeitraum hinweg nicht

benutzt hat.

Wenn jemand meint, dass eine Marke gar nicht erst hätte eingetragen werden dürfen, kann er unter bestimmten, im Gesetz

geregelten Voraussetzungen die Löschung dieser Marke beim DPMA beantragen. Abgesehen davon mag eine andere Person

über ein älteres Recht verfügen, das dem Recht aus der Marke vorgeht; dabei muss es sich nicht unbedingt um eine

eingetragene Marke handeln.

Der Inhaber der Marke bemüht sich momentan um Lösungen mit denen, die diesen Namen ebenfalls nutzen -

welche Pflichten und welche Rechte haben sie gegenüber dem Inhaber der Wortmarke?

Preißner: Soweit sich ein Markeninhaber und andere Nutzer einer bestimmten Bezeichnung über die Art und Weise der Benutzung einigen, ergeben sich ihre Rechte und Pflichten in erster Linie aus ihren vertraglichen Vereinbarungen.
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Ins Netz gegangen: Das Leipziger Neuseenland auf Video-Trip

(06.11.2009) Videos aus dem Leipziger Neuseenland können eine lustige Sache sein. Zum Beispiel, wenn man die Landschaft kennt, und das damit vergleicht, was in manchen darüber erzählt wird. Jüngstes Beispiel: ein Video-Porträt vom Markkleeberger See. Auftraggeber war der Seenverwalter EGW. Sie ist eine Tochterfirma der Stadt.

Nicht alles, was man zu sehen glaubt, ist in diesem Falle aber wirklich der Markkleeberger See. Quasi gratis ein kleines Online-Spiel dazu: „Finden Sie Lippendorf!“ Ein Tipp aus der russischen Propagandafilmschule: am Rand und hinter Büschen suchen.

Weniger lustig, dafür mit vielen Fragezeichen, ein anderer Streifen, der seit Anfang Oktober bei YouTube zu sehen ist. Als „Kinospot Neuseenland“ wurde er deklariert. Der Absender allerdings war lange unbekannt. Nur im Abspann wird deutlich, dass dieses Video keine Privatsache ist, sondern der Tourismusverein Leipziger Neuseenland e.V. mit am Werk gewesen sein muss. Bei der Klärung der Hintergründe trafen wir auf die Sprecherin des Vereines, Sandra Brandt.
"Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten": Sandra Brandt und das YouTube-Video. Fotos: privat

Frau Brandt, warum der Spot bei YouTube – warum wurde die Kommentarfunktion deaktiviert?

Brandt: Der YouTube Kanal wurde lediglich technisch dafür genutzt, um den Spot ohne großen Programmieraufwand auf dem

Internetportal leipzigerneuseenland.de zeigen zu können, wo auch eine Möglichkeit zur Abgabe von Kommentaren besteht.

Wer war Auftraggeber?

Brandt: Der Kinospot ist im Auftrag des TV Sächsisches Burgen- und Heideland im Rahmen des Marketingplanes 2009 für das Leipziger Neuseenland erstellt worden. Die inhaltliche Betreuung lag beim TV Leipziger Neuseenland und beim Grünen Ring Leipzig.

Warum wurde auf eine öffentliche Ausschreibung verzichtet?

Brandt: Selbstverständlich wurde die Leistung ausgeschrieben (beschränkte Ausschreibung), insgesamt lagen 4 Angebote vor. Als Vereine sind wir an eine wirtschaftliche Arbeitsweise gehalten, die wir jedes Jahr den Mitgliedern transparent darstellen müssen und die durch die Kassenprüfer und Fördermittelstellen streng kontrolliert wird. Der Auftrag wurde als Leistungspaket zusammen mit der Erstellung eines Filmportraits zum Wassertourismus im Leipziger Neuseenland an die picturesound studios vergeben.

Was soll dieser Spot dem Betrachter eigentlich sagen?

Brandt: Die Botschaft des Kinospots liegt in der Positionierung des Leipziger Neuseenlandes als Wassersport-Kultur-Destination mit einem abwechslungsreichen Angebot. Kinowerbung ist die beliebteste Werbeform der 14- bis 29-Jährigen, der Spot wurde deshalb auf die Bewusstmachung des touristischen Angebotes auf diese Zielgruppe ausgerichtet. Über Geschmack und Gestaltung lässt sich bekanntlich trefflich streiten, was auch ein klassischer Werbeansatz ist, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ansonsten wäre fliegendes Toilettenpapier in der Fernsehwerbung auch nicht zu erklären. Uns liegen zahlreiche positive Rückmeldungen zum Spot vor. Und selbst wenn dazu ebenso viele mit einer anderen Meinung kommen, hätte man werbetechnisch viel erreicht, da der wichtigste Effekt eben ist, dass überhaupt darüber gesprochen wird.

Wo wird dieser Spot eingesetzt?

Brandt: Der Kinospot lief im August in jeweils 3 (nicht zufällig) ausgewählten Kinos in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg. Durch die Auswertung der Internetzugriffe und der Anfragen an die Tourist-Infos können wir bereits jetzt sagen, dass die Marketingaktionen 2009 ein Erfolg waren. Das Leipziger Neuseenland konnte auch in diesem Jahr wieder steigende Besucherzahlen verzeichnen.
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Zehn Jahre Neuseenland und das weitere Werden: Landesdirektionspräsident Walter CHristian Steinbach im Interview (1)

Das Leipziger Neuseenland steuert auf sein erstes größeres Jubiläum zu. Im Sommer 2010 feiert der Cospudener See seinen 10. Jahrestag. Mit seiner Eröffnung wurde im Sommer des Jahres 2000 der Grundstein für die neue Seenplatte im Südraum Leipzigs gelegt. Einer, der dabei viel mitbewegt hat, ist der Präsident der Landesdirektion Leipzig, Walter-Christian Steinbach. Er hat aber auch noch einige Ideen für die Zukunft auf Lager und spricht gern von Strukturen “aus einem Guss“. Was er damit meint, verriet er im Interview mit der L-IZ. Heute Teil 1 von 2: Zweckverband – warum und wohin?
Will "Entwicklung aus einem Guss": Landesdirektionschef Walter Christian Steinbach und das Leipziger Neuseenland. Foto: Landesdirektion/br

Ende März gab es eine gemeinsame Dienstberatung mit dem Leipziger OBM Burkhard Jung. Sie regten dabei ein neues Werkzeug an, das Leipziger Neuseenland zu verwalten und zu entwickeln. Warum ist das eigentlich nötig?

(Steinbach): Die Bewirtschaftung des Leipziger Neuseenlandes ist eine hochkomplexe Aufgabe. Die gewässertouristischen Anlagen – das sind Schleusen, Umtragestationen etc. – müssen gebaut, genehmigt, finanziert und später unterhalten werden. Dabei ist zu vermeiden, dass bei den Besuchern des Leipziger Neuseenlandes der Eindruck entsteht, als fahre er da durch eine Schleuse in Markkleeberg und dort durch eine Schleuse von Leipzig. Nein, im Interesse des Besuchers und einer hohen touristischen Anziehungskraft brauchen wir ein Leipziger Neuseenland, das aus einem Guss gemanagt wird.

Mehr Gemeinsamkeit im Neuseenland. Schöne Sache. Dafür eine Art neuen Zweckverband?

(Steinbach): Ein weiterer Punkt, der nicht außer Acht zu lassen ist: das Leipziger Neuseenland besteht aus Gewässern erster Ordnung und Gewässern zweiter Ordnung. Das heißt: Gewässern, die vom Land zu unterhalten sind, und Gewässern, wo den Kommunen diese Aufgabe zukommt. Das funktionelle Zusammenwirken dieser Gewässer und die Gewässergüte muss den Anforderungen entsprechen, auch da dürfen keine Unterschiede entstehen.

Hierfür könnte ein Vertrag mit der Landestalsperrenverwaltung hilfreich sein. Als Vertragspartner kommen auf der einen Seite sicherlich der Freistaat Sachsen, auf der anderen Seite eine Rechtsperson in Frage, da nicht jede einzelne Kommune einen Vertrag schließen kann. Es gibt also eine große Fülle von ganz praktischen Aufgaben zur Funktionsfähigkeit des Gewässerverbundes, die alle, wie ich bereits sagte, möglichst aus einem Guss erledigt werden müssen. Und dafür denke ich müssen sich die Eigentümer der Seen und der Gewässer – die Gemarkungskommunen, die Landkreise, die Stadt Leipzig – zusammenschließen und eine Rechtsperson konstruieren.

Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann einen Zweckverband gründen, man kann einen Verein gründen, man kann eine GmbH gründen. Sicherlich gibt es noch weitere Möglichkeiten. Wir sind jetzt soweit, dass die wesentlichen Akteure des Raumes beim Sächsischen Wirtschaftsministerium ein Regionalbudget zur finanziellen Unterstützung beim Aufbau einer solchen Struktur beantragen wollen.

Also: Für einen solchen Partner wird jetzt eine Grundfinanzierung angeregt?

(Steinbach): Angeregt wird dies für die Entwicklung eines Ansprechpartners, wobei ich mir nicht sicher bin, ob man einen weiteren Zweckverband gründen sollte. Es gibt Fürsprecher für einen Zweckverband. Es gibt aber auch eine Reihe von Partnern, die sagen: lasst uns erst noch einmal über die künftigen Strukturen in Ruhe nachdenken, ob es wirklich ein Zweckverband oder ob es nicht eine andere Struktur sein soll, die vielleicht am Ende schlagkräftiger, schneller, dynamischer ist. Und ich finde den Gedanken gut – zwar haben wir nicht viel Zeit – aber es sollte jetzt in Ruhe durchdacht werden, in welcher Rechtsperson der gesamte touristische Gewässerverbund vom Haselbacher See bis zur Goitzsche einmal gemanagt werden soll.

Es sind viele Partner ins Boot zu holen, viele Geldgeber, bestimmt auch das Land. Viel Zeit ist aber nicht. Wie soll der Fahrplan für diesen Zweckverband aussehen?

Wie gesagt, ich würde noch nicht von einem Zweckverband sprechen – ich spreche von einer nachhaltigen Regionalstruktur vom Haselbacher See bis zur Goitzsche, die den gesamten touristischen Gewässerverbund aus einem Guss organisiert. Es besteht Eile, da haben Sie Recht. Aber es ist nicht so, dass wir überstürzt handeln müssen. Zudem haben wir ja die Steuerungsgruppe Gewässerverbund, deren Sprecher ich bin. Und da werden alle wichtigen Entscheidungen vorbesprochen und der Gesamtprozess sozusagen am Laufen gehalten.

Die Kommunen, die Landkreise, also die Gebietskörperschaften, nehmen sehr verantwortlich ihre Aufgaben wahr. Aber: das Zusammenspiel der Kräfte muss optimiert werden, damit die Vermarktung und die Bewirtschaftung der Gewässerlandschaft aus einer Hand erfolgen kann. Eine unglaublich komplexe Aufgabe, mit unendlich vielen Facetten und Einzelakteuren, deren Zusammenwirken durch eine nachhaltige Regionalstruktur optimiert werden muss.

Die ganze Idee noch einmal zusammengefasst?

(Steinbach): Die nachhaltige Regionalstruktur, die entwickelt werden muss, sollte am Ende den gesamten touristischen Gewässerverbund aus einem Guss entwickeln, bewirtschaften und unterhalten.

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Zehn Jahre Neuseenland und das weitere Werden: Landesdirektionspräsident Walter Christian Steinbach im Interview (2)

Architekten, mentale Zurückhaltung, ein Rückblick und eine rein persönliche Vorschau auf die Entwicklungen im Leipziger Neuseenland – Landesdirektionspräsident Walter Christian Steinbach im Interview mit der L-IZ.
"Aus einem Guss": Walter Christian Steinbach und das Neuseenland. Foto: LDL/br

Herr Steinbach, Sie hatten bei der Dienstberatung am 30. März die Architektenentwürfe von 1994 angesprochen und eine

Neuauflage angeregt. Damals waren rund 15 Architekten dabei. Was hatten die sich damals vorgestellt, was im Neuseenland entstehen könnte?

(Steinbach): Das Regierungspräsidium Leipzig hat 1994 einen internationalen Teamwettbewerb organisiert, bei dem etwa 15 internationale Architekten und Landschaftsplaner gemeinsam mit Akteuren und Experten aus der Region diskutiert haben, wie diese neu entstehende Landschaft konzipiert werden kann. Das Ergebnis dieses internationalen Wettbewerbes bildet bis heute das Grundkonzept für die Entwicklung des Leipziger Neuseenlandes und des touristischen Gewässerverbundes, die Verbindung möglichst vieler Seen untereinander und mit dem Gewässersystem der Stadt Leipzig.

Eine Reihe von Architekten haben an diesen Grundüberlegungen mitgewirkt, die wir heute zu den Top Ten zählen – wie Michael Sorkin, Rem Koolhaas, Hans Kollhoff, und viele andere heute sehr bekannte Architekten. Ich regen an, dass man einige dieser Architekten heute nach 15 Jahren wieder einlädt, auch mit jüngeren Architekten, um gemeinsam mit regionalen Experten die bisherigen Entwicklungen zu bilanzieren und neue bzw. neuartige Ideen für die künftige und zukunftsfähige Entwicklung zu diskutieren.

Bei der Dienstberatung am 30. März haben Sie das Wort “mentale Zurückhaltung bei der Entwicklung des Neuseenlandes“

gebraucht. Was ist damit gemeint?

(Steinbach): Also ich denke, dass eine solche Entwicklung immer auch in Wellen verläuft. Es gibt Perioden, wo alle Personen, die sich damit beschäftigen, sozusagen auf einer Wellenlänge sind. Und dann gibt es auch wieder Zeiten wo man merkt, das funktioniert noch nicht so gut, das muss noch genauer bedacht werden, es gibt diese oder jene Probleme. Dann entstehen die Entwicklung hemmende Probleme, quasi so etwas wie konzentrierter Gegenwind. Über die damit im Zusammenhang stehenden mentalen Dellen muss man hinweg. Ich denke, mit unseren gemeinsamen Überlegungen zur Durchführung einer nochmaligen internationalen Konferenz, sind wir gerade dabei, einen neuen Ansatz zu konzipieren, um die Schlussphase der Entwicklung erfolgreich zu bewältigen.

Wir leben im Frühjahr 2009. Das Neuseenland steuert auf seinen 10. Geburtstag zu. Was sind die Projekte, die Ihnen besonders gerne einfallen, die dabei entstanden sind?

(Steinbach): Ich denke dass der Cospudener See sich gut darstellt. Er wird ausgezeichnet angenommen. Den Zwenkauer See kann man in seinen Umrissen klar erkennen. Er wird der größte See zunächst einmal – allerdings wird das noch ein paar Jahre in Anspruch nehmen. Der Markkleeberger See ist so gut wie fertig, da fehlt noch ein halber Meter bis zum Endwasserstand. Der Kanupark ist fantastisch geworden. Ich denke auch, die Gastronomie ist auf einem guten Weg, sich immer überzeugender an den einzelnen Seen zu etablieren. Im Nordraum, wenn man sich zum Beispiel die Goitzsche ansieht, hat sich eine außerordentlich positive Entwicklung vollzogen.

Hier sind eine Reihe von sehr schönen Kunstwerken entstanden, wie die Bitterfelder Wasserfront, die ich sehr bewundere, oder den Pegelturm, der leider unter dem Sturm etwas gelitten hat. Wie man im Nordraum den einen oder anderen See verbinden kann, das muss noch zu Ende diskutiert werden. Insgesamt gesehen, finde ich es aber richtig, wenn wir bei dem Leipziger Neuseenland von einer der größten Landschafts- oder Wasserbaustellen Europas sprechen. Wenn Sie heute durch die Stadt gehen oder wenn Sie heute über die Kanäle, Mühlgräben und Flüsse der Stadt fahren und die Stadt vom Wasser aus erleben, kann man sich überhaupt nicht mehr erinnern, wie das 1990 mal ausgesehen hat.

Die Entwicklung geht schnell. Die ersten 10 Jahre sind vorbei. Was wird sich in fünf Jahren weiter im Leipziger Neuseenland

entwickelt haben? Was wird es dann Neues geben?

(Steinbach): Ich denke, wir biegen jetzt auf eine relativ lange Zielgerade ein, aber schon jetzt ist absehbar, wie das Leipziger Neuseenland einmal aussehen wird. Wir werden in Kürze die Verbindung von Leipzig über den Floßgraben und die Schleuse Cospuden bis zum Cospudener See haben. Ich denke, wir werden bis 2014 vom Cospudener See in den Zwenkauer See kommen. Und ich hoffe auch, dass wir in dieser Zeit etwa die Schleuse zwischen dem Markkleeberger See und dem Störmthaler See fertig haben. Und mindestens beim Kanal vom Markkleeberger See ins Unterwasser des AGRA-Wehres wird man mit dem Bau begonnen haben und erahnen können, welchen Weg er nehmen wird. Wann der Kanal fertig sein wird, das kann heute noch keiner sagen. Man muss sehr genau überlegen, wie die bestehenden Raumwiderstände verträglich und gesetzeskonform bewältigt werden können. Aber ich denke schon, dass man in wenigen Jahren mindestens die
Ansätze dafür sieht.
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